01.02.2007 / Markt + Wirtschaft (IHK Zeitschrift)

Inhalt:
UNTERNEHMERINITIATIVEN. Beide sind Unternehmerinnen und beide wollen etwas bewegen: Die eine zeigt Branchenkollegen, dass dumm ist, wer Frauen für dumm erklärt. Die andere bündelt die Interessen lokaler Unternehmen und stärkt so deren Gewicht gegenüber der Lokalpolitik.

Nichts gegen einen guten Blondinenwitz. Frauen lachen schließlich gern – sogar über sich selbst. Auch männliche Überheblichkeit nehmen sie deshalb zumeist mit Humor: beim Einkaufen im Elektronikfachmarkt genau so wie in der Verhandlung mit dem Installateur. Und erst recht, wenn frau ihr Auto zur Reparatur bringt: „Frauen fühlen sich häufig nicht ernst genommen“, weiß Gabriele Kordes, die gemeinsam mit ihrem Mann Thomas die Kölner Mehrmarken-Werkstatt Auto Schnelle leitet. Für die zweifache Mutter war arrogantes Herrschaftswissen schon immer ein Ärgernis: „Beratung auf Fachchinesisch muss einfach nicht sein“, findet sie und plädiert in der Branche seit langen für mehr – weibliche – Kundenorientierung: „Frauen kümmern sich längst selbst um ihr Auto und sind daher zu einer wichtigen Kundengruppe geworden.“ Frauen können denken Grund genug für die umtriebige Marketing- Managerin und Trägerin verschiedener Branchenpreise, die im eigenen Betrieb umgesetzten Ideen auch Kollegen ans Herz zu legen. Gemeinsam mit Christina Guth, Inhaberin der CGW Werbeberatung in Kaarst, gründete Gabriele Kordes in diesem Frühjahr das Netzwerk „Frau ist schlau“. „Bundesweit haben sich inzwischen 380 Kfz-Werkstätten, aber auch Abschleppdienste, Sachverständige oder spezialisierte Rechtsanwälte unserem Netzwerk angeschlossen“, berichtet Kordes mit Genugtuung. Um Mitglied zu werden und sich mit dem „Frau ist schlau“-Siegel als besonders um weibliche Kunden bemühte Werkstatt schmücken zu dürfen, genügt es zunächst, zum Beitrag von 150 Euro im Jahr Mitglied zu werden. Dafür gibt es eine Verlinkung auf der Internetplattform, Aufkleber, Plakate und anderes Werbematerial. „Kundinnen können online aber auch die einzelnen Werkstätten bewerten – gibt es wiederholt Beanstandungen, gehen wir der Sache nach“, sagt Kordes und ergänzt: „Geplant ist, in Zukunft Mitgliedsbetriebe inkognito zu testen.“ Spielecke für Kinder Ehrliche Beratung auf Augenhöhe, faire Preisgestaltung und ein Serviceangebot, das auch Frauen und deren Bedürfnisse im Auge hat, sind für „Frau ist schlau“-Betriebe also ein Muss. Und das muss keineswegs viel kosten: Ganz einfach punkten könne man bei weiblichen Kunden etwa schon mit einer sauberen Toilette. „In unserem Betrieb haben wir außerdem eine Spielecke für Kinder eingerichtet, die sehr gut angenommen wird, weil die Mütter dann in Ruhe ihr Gespräch führen können“, sagt Kordes. Wer seinen Kundinnen dann auch noch das Warten auf die neuen Winterreifen mit Zeitschriften verkürzt, die nicht nur ums Thema Auto kreisen, wer kostenlos ein Ersatzfahrzeug bietet, wenn die Reparatur doch länger dauert, oder gar Sicherheitstrainings oder Technikkurse im Kreise Gleichgesinnter anbietet, kann sich der Treue seiner Kundinnen sicher sein, weiß Kordes: „Frauen, das haben unsere Befragungen gezeigt, sind die beständigeren Kunden.“ Sprachrohr der lokalen Wirtschaft Wie wichtig Marketing und Kundenorientierung für wirtschaftlichen Erfolg sind, das weiß der Handel seit langem. Auch dass man gemeinsam mehr bewegen kann, ist für Ladeninhaber durchaus nichts Neues: In den meisten Klein- und Mittelstädten und vielen Stadtteilen größerer Städte haben sich Händler seit jeher zu Werbegemeinschaften zusammen geschlossen. Auch in Burscheid. Doch seit diesem Frühjahr geht man in der bergischen Gemeinde einen Schritt weiter: „Wir für Burscheid“, kurz WFB, heißt seither ein Unternehmernetzwerk, das Handel und Gastronomie, Banken, Dienstleistungs- und örtliche Industriebetriebe, aber auch Freiberufler unter einem Dach versammelt. Mehr als 80 Mitglieder zählt die Initiative bereits, die anders als ihre Vorgängerin als eingetragener Verein organisiert wurde. Ute Hentschel, Buchhändlerin und erste Vorsitzende, formuliert als wichtigste Ziele der jungen Initiative: „Wir wollen erstens ein Netzwerk für alle Burscheider Unternehmen sein, zweitens diese und unsere Stadt positiv nach außen darstellen und drittens verstehen wir uns als Sprachrohr der Wirtschaft gegenüber der Kommunalpolitik.“ Eingeteilt sind die Mitglieder in vier Arbeitsgruppen – Handel, Industrie und Gewerbe, Gastronomie und Immobilien. Regelmäßig trifft man sich zu Stammtischen, bespricht Aktionen und knüpft neue Kontakte. Für das nächste Jahr sind bereits zwei größere Stadtfeste in Vorbereitung: ein Gartenmarkt im Mai und ein Martinsmarkt im November. „Für WFB-Mitglieder gibt es ermäßigte Standgebühren“, erläutert Hentschel die Vorteile der WFB, die einen Mitgliedsbeitrag von 120 Euro im Jahr erhebt. Zwei Jahre, so die Vorsitzende, werde es wohl dauern, bis die Strukturen des Vereins gefestigt und die Anlaufphase abgeschlossen sei. „Innerhalb dieses Zeitraums wird sich zeigen, ob wir ein funktionierendes Netzwerk aufbauen können oder ob wir eine reine Zweckgemeinschaft bleiben.“